Man kann, muss aber bereit sein zu Lernen und zu Üben. Die Fotografie ist ein riesiges Thema und es gibt entsprechend viel zu entdecken.
Der Fotoanfänger sollte sich davon nicht abschrecken lassen, sondern eine schrittweise Entwicklung in Kauf nehmen. Eine Vorgehensweise, die Dank der Digitalfotografie ohne große Betriebskosten möglich ist.
Welche Tipps und Tricks sollte man also beherzigen und in welcher Reihenfolge beherzigen? Dieses Kapitel geht dieser Frage nach und versucht verständliche Anregungen zu vermitteln.
Entsprechende Übung vorausgesetzt, werden objektiv bessere Fotos entstehen. Eine Bestätigung dessen stellt sich mit der Zeit nicht nur nach eigenem Ermessen, sondern auch im Auge externer Bildbetrachter ein.
Bei der Aufstellung der Tipps habe ich mich insbesondere von der Webseite von Markus Thoma inspirieren lassen, der die verschienenden Sachverhalte meines Erachtens sehr praxisnah und verständlich vermittelt.
Meinerseits viel Spaß beim Durchlesen, Ausprobieren und bei der Umsetzung viel Erfolg für bessere Fotos!
(1) Folge dem Licht
Das richtige Licht ist alles, selbst wenn nur ein kurzes Selfie gemacht werden soll. Man erkennt, wenn dein Gesicht viele Schatten aufweist und eine einheitlichere Ausleuchtung benötigt wird. Da treibt es in deiner Wohnung schnell ans nächste Fenster – aber warum?
Am Fenster oder in dessen Nähe ist bereits ein einfacher, aber effektiver Lichtaufbau vorhanden. Eine Lichtquelle, die meistens gleichmäßig diffus aus einer Richtung kommt. Das ist es eigentlich, worauf man nicht nur anfangs, sondern auch langfristig immer wieder achten sollte.
Mit gutem, gerichteten Licht kann man ganz einfach gute Fotos machen. Vor allem von Personen.
Bild: Pixabay
Die Situation mit dem Fenster ist natürlich nur ein einfaches Beispiel. Je nach Erfahrung können auch komplexere Situationen gesucht werden. Dennoch sorgen oft einfachere Setups für schönere Fotos.
Man muss also dem Licht folgen, bis eine passende Situation gefunden ist. Am besten wo ein nicht zu hartes Licht gleichmäßig aus einer Richtung kommt.
Hier eine kurze Checkliste:
Vermeide hartes Sonnenlicht (hartes Sonnenlicht ist schwieriger im Umgang als weiches Licht).
Suche (halb)schattige Plätze (hier findest du auch bei Sonnenschein weiches Licht, was der Haut der fotografierten Person schmeichelt).
Überlege, zu welcher Tageszeit das Licht am besten zu deinem Vorhaben passt (das Licht ändert sich über den Tag ständig, probiere am besten zum Sonnenaufgang oder -untergang zu fotografieren).
Natürlich kann man mit etwas Erfahrung auch im harten Sonnenlicht fotografieren; dabei muss aber extrem auf unvorteilhafte Schatten im Gesicht achten.
Dazu gehören z. B. Augenringe in der Mittagssonne oder der klassische »Sonnenbrillen Effekt« der auftritt, wenn die Stirn einen Schatten über die Augen wirft.
(2) Der richtige Blickwinkel für gute Bilder
Nur der Tourist fotografiert meist einfach nur auf Augenhöhe. Wenn man andere Fotos machen will, muss man auch andere Blickwinkel einnehmen und sich etwas bewegen.
Mit etwas Experimentierfreude bewegt man sich aktiv um das Model herum und probiert verschiedene Winkel aus. Wenn die richtige Aufnahmeposition gefunden ist, können ein paar Grad eine komplett andere Bildwirkung ausmachen.
Der Fotograf kann in die Hocke gehen oder sich auf den Boden legen. Vielleicht liegt auch das Model auf dem Boden und man fotografiert senkrecht von oben nach unten.
Als nächstes schaust man, ob ein Fluchtpunkt ins Bild gebracht werden kann. Das ist ein perspektivischer Punkt, in dem sich viele Linien in der Ferne treffen. Auf diese Weise entsteht ebenfalls mehr Dynamik und Tiefe im Bild.
Tipp: Vor jedem Foto – auch von Sehenswürdigkeiten im Urlaub – die Frage: Wie würden 99 % der anderen Menschen dieses Motiv fotografieren? Dann probiert man das verbleibende Prozent zu sein und mit dem Blickwinkel zu experimentieren.
(3) Bildelemente für schöne Fotos harmonisch anordnen
Welche Elemente sind auf dem Bild erkennen? Welche Formen kann man darin sehen? Wo sind Linien im Bild zu sehen?
All diese Elemente und das Hauptmotiv (dein Model) müssen harmonisch im Bild angeordnet werden. Doch keine Panik – hier musst man nichts ausdenken.
Es gibt bereits einige Raster, die auf mathematischen Erkenntnissen beruhen und die nötige Harmonie ins Bild bringen.
Ein beliebtes Schema ist für Anfänger, aber auch Profis: die Drittelregel.
Das bedeutet grob gesagt, dass das Foto in Drittel aufgeteilt wird und sich z.B. die Person auf eine der Linien befindet.
Daneben gibt es aber noch andere Kompositionen bzw. Aufteilungsmöglichkeiten wie den Goldenen Schnitt oder die Zentralperspektive.
Um Bilder in der Zentralperspektive interessanter wirken zu lassen, solltest du man allem mit dem Kamerawinkel auf vertikaler Achse experimentieren.
Insbesondere in Verbindung mit einem leichten Weitwinkel Objektiv im Bereich von 24–40mm erhält man einen interessanten Effekt. Experimentieren kann man dann mit der Aufnahmehöhe.
Wissen: Die ersten Porträt-Objektive waren sogar auf ein Motiv in der Mitte ausgelegt. Das kommt daher, weil die Schärfe in der Mitte am höchsten war und auch keine Vignette gestört hat.
Für ein Porträt kann die Person also durchaus in der Mitte platziert werden, dann aber genau überlegen, in welchem Winkel oder mit welcher Brennweite fotografiert wird. Ansonsten kann die Zentralperspektive schnell zu starr wirken.
(4) Achtung beim Bildrand
Im Foto wird immer nur einen Teil der Realität innerhalb eines Vierecks gezeigt. allein der Fotograf entscheidet, wo der Bildrand die Szene anschneidet.
Einen kritischen Blick sollte man immer darauf werfen, wenn der Rahmen das Model anschneidet. Schnell passiert es, dass Körperteile unglücklich angeschnitten werden.
Hier gilt eine einfache Regel: Schneide niemals durch Gelenke. Stattdessen wirkt es harmonischer, wenn der Bildrand immer zwischen zwei Gelenken schneidet.
Gelenke sind natürliche »Stopp-Punkte« im Körper. Der eine Knochen endet und der nächste beginnt. Ein Schnitt direkt durch diesen optisch/sensiblen Punkt verhindert später, dass beim Betrachten der angeschnittene Arm vom Gehirn vervollständigt werden kann.
Tipp: Daher immer ein Stück vom Arm sichtbar lassen – so bekommt man eine Idee davon, wie dieser weiter verläuft.
(5) Ein unruhiger Hintergrund kostet Aufmerksamkeit
Was möchte man im Bild zeigen, und was möchtest man lieber verstecken? Gerade der Hintergrund erzeugt oft unbewusst Ablenkungen.
Wenn der Hintergrund laut aufschreit, schaut man später im schlimmsten Fall auf dem Foto überhaupt nicht mehr auf die Person im Vordergrund.
Rat: Man beachte immer zu 50% auch den Hintergrund!
Mit einem einen einfachen Kameraschwenk kann die unschöne Mülltonne oder die krumme Dachrinne ausgeblendet und stattdessen die Blumenwiese neben dem Gebäude gezeigt werden.
Generell sollten einfach sehr helle Bereiche, harte Linien und andere auffällige Ablenkungen durch einen geschickten Kamerawinkel ausgeblendet werden.
Tipp: Mit einer längeren Brennweite (z.B. 85 mm) lassen sich Ablenkungen einfacher ausblenden.
Sowohl durch die größere Hintergrundunschärfe, aber auch dadurch, dass nur ein kleinerer Ausschnitt der Umgebung gezeigt wird.
(6) Kommunikation und Posing beim Fotoshooting
Bei Porträts sollte du ein besonderes Augenmerk auf der Kommunikation liegen. Nur so bekommt man gute Fotos von Personen.
Die Akteure müssen sich ständig austauschen um ein gutes Fotoergebnis zu erzielen. Man kann hier nach Anleitung für Porträts/Posing handeln, aber auch mit den richtigen Worten für entspannte Bilder sorgen.
Primäres Ziel ist, dass sich die fotografierte Person wohl fühlt und dadurch die eigene Maske fallen lässt.
Wenn die Situation durch ein kurzes Kennenlernen aufgelockert ist, muss man weiter dranbleiben und es dem Gegenüber so angenehm wie möglich machen.
Etwas Witz schadet dabei auch nicht, so können viele ungestellte Gesichtsausdrücke entlocken werden.
Um ein Posing aufzubauen, sollten dennoch folgende 5 Grundregeln im Hinterkopf behalten werden:
Vermeide lose hängende Arme
Löse unabsichtliche Symmetrie auf,
Drehe die Person etwas ein
Achte auf Körperhaltung von Kopf bis Fuß
Schaffe einen Rahmen für lockere Bewegung
Wichtig: Man sollte auch immer eine gewisse Portion Selbstbewusstsein ausstrahlen. Die Person vor der Kamera ist oft schon selbst unsicher.
Falls der Fotograf ebenfalls Unsicherheit ausstrahlt, wird dieser Effekt nur noch verstärkt.
(7) Die Belichtung nicht der Kamera überlassen
Gerade am Anfang überlassen viele noch unbewusst oder aus Unkenntnis der Kamera den Job der Belichtung. Aber die Kamera ist ein Computer, der das Foto so belichtet wie der Hersteller denkt, dass es gut aussieht.
Am Ende des Ergebnisses soll bei der Betrachtung aber Emotion entstehen – eine Sache, die Computer nicht verstehen.
Daher sollte man alle Voraussetzungen für gute Fotos selbst in die Hand nehmen. Dazu gehört auch, im manuellen Modus zu fotografieren!
Voraussetzung dafür sind natürlich Grundkenntnisse über Verschlusszeit, Blende und ISO sowie deren Wechselwirkung.
Tipp: Je nach Situation etwas heller oder dunkler belichten.
Oft entstehen verschiedene Stimmungen erst durch eine Unter- oder Überbelichtung.
Man denke z. B. an mysteriöse Fotos im Wald, die später durch eine Unterbelichtung und die entsprechende Farbanpassung eine ganz eigene Wirkung bekommen. Oder an Fashion Aufnahmen, die durch eine Überbelichtung später besonders wirken.
Bild: Pixabay
Wer glaubt, das könne man später noch in der Bildbearbeitung muss auf Enttäuschungen vorbereitet sein.
Das kommt daher, weil das Thema »ausgebrannte Lichter« oft schwer zu schaffen macht. Stellen im Bild, die komplett weiß leuchten, sind oft auch in der RAW-Konvertierung nicht mehr zu retten. Abgesumpfte Schwarzwerte können dagegen besser wiederhergestellt werden.
Gute Fotos müssen also nicht nur gut gestaltetet sein, sondern auch den technischen Qualitätsanforderungen entsprechen. Neben dem Aspekt der Bildstimmung muss daher auch für ein technisch einwandfreies Foto belichtet werden.
Tipp: Bei extremen Situationen wie hartem Sonnenlicht etwas unterbelichten und darauf achten, dass die hellste Stelle im Bild nicht ausbrennt.
Mit einer relativen Unter- oder Überbelichtung einer Programmautomatik (Belichtungskorrektur) kann das natürlich auch erreicht werden.
Aber bevor man mühselig einstellt, um wie viele Drittel das Foto unter- oder überbelichtet wird, kann auch gleich im manuellen Modus einmal die Belichtung so einstellen, dass es für das Auge »richtig« aussieht und loslegen.
(8) Foto mit der Schärfe stufenweise aufbauen
Vielleicht wurde schon den Tipp vermisst so etwa wie: »Wähle eine hohe Blendenöffnung«; ein vollkommen richtiger und wichtiger Aspekt.
In dem Moment, in dem der Auslöser gedrückt wird, passiert folgendes: Eine Szene die man gerade dreidimensional siehst, wird auf einem zweidimensionalen Sensor/Foto festgehalten.
Der einzige Weg, räumliche Tiefe abzubilden ist die Unschärfe über eine hohe Blendenöffnung (und natürlich Blickwinkel und Komposition).
Wie kann dieser Effekt optimal ausgenutzt werden, damit eine lebendige Bildtiefe erzielt wird?
Ganz einfach: Man baut das Foto und dessen Komposition in verschiedenen Ebenen auf.
Es gibt auf Fotos mit viel Tiefe oft einen Vorder-, Mittel- und Hintergrund. Mittel- und Hintergrund macht man dabei meist schon intuitiv, indem man auf das Hauptmotiv (die Person) scharf stellt. Dieses nennen wir einfach einmal den Mittelgrund.
Der Hintergrund verschwindet bei einer hohen Offenblende (z. B. F/1.8) automatisch in Unschärfe. Diese Unschärfe nennt sich auch Bokeh.
Bild: Pixabay
Vor Ort musst man sich selbst um einen Vordergrund in der Komposition kümmern. Ein einfaches Beispiel sind Blätter oder Sträucher, die man für den Vordergrund sucht.
Durch die hohe Blendenöffnung (z. B. F/1.8) legt sich der Vordergrund dann ebenfalls nur unscharf über die Kulisse. Eine Art »Störer«, der außerhalb des fokussierten Bereichs liegt. Das erzeugt eine weitere Ebene und das Foto wirkt tiefer.
Es muss natürlich nicht bei diesen drei Ebenen bleiben. Wenn man beispielsweise eine Art Feld voller Sträucher sucht, ergibt dies mehr als nur eine Ebene.
Die Sträucher werden vom Vordergrund aus nach und nach zum Mittelgrund hin immer schärfer. Vom Mittel- zum Hintergrund dann wieder stetig unschärfer.
(9) Immer ausreichend Platz lassen
Gerade dem ungeübten Fotografen passieren nicht nur am Anfang Missgeschicke, die leicht zu korrigieren wären.
Der tolle Moment muss vermeintlich schnell genutzt werden und die Landschaft aus diesem Blickwinkel und mit der gerade vorherrschenden Lichtstimmung einzufangen.
Wird das Foto dann betrachtet, stellt man entweder fest, dass der Horizont um etwa 2 Grad schief hängt oder am äußeren Bildrand gerade noch der Schwanz von Nachbars Hund zu sehen ist, den man bei der Aufnahme nicht gesehen hatte.
Kein Problem: Mit der Bildbearbeitung kann man hier nacharbeiten, das machen die Profis auch. Allerdings nur mit Erfolg, wenn der Fotograf ausreichend Rand freigelassen hat.
Das gilt natürlich nicht nur für Landschaften, sondern generell und besonders auch bei Porträts, Stillleben oder Makrofotos.
Tipp 1: Immer etwas mehr Rand berücksichtigen, beispielsweise 2–3 % vom Bildformat.
Tipp 2: Möglichst immer im RAW-Format fotografieren, dann hat man nachher für die Belichtungskorrektur und Arbeiten am Datenformat ausreichend Reserven.
(10) Gute Fotos machen muss geübt werden
Wer gute Fotos machen möchte, sollte folgende Regeln beachten:
Finde weiches und gerichtetes Licht
Wähle einen interessanten Kamerawinkel
Finde eine harmonische Bildkomposition
Achte sehr genau darauf, wo der Bildrand schneidet
Suche einen ruhigen Hintergrund ohne Ablenkung
Schaffe eine aufgelockerte Atmosphäre und zielfördernde Kommunikation
Fotografiere im manuellen Modus und belichte richtig
Baue das Bild in mehreren Ebenen auf
Lasse ausreichend Platz am Rand
Man sollte sich diese Punkte einprägen und bei den nächsten Shootings anwenden; das geht natürlich nicht von heute auf morgen.
Die Punkte zu kennen ist eine Sache; sie wirklich anwenden zu können wieder eine komplett andere. Um gute Fotos zu machen, müssen diese Dinge in Fleisch und Blut übergehen.
Fotografieren ist eigentlich immer ein Experiment, bei dem viele verschiedene Dinge mitwirken. Man muss also ausprobieren, wie alle der genannten Punkte nach und nach umgesetzt und kombiniert werden können. Wenn diese irgendwann ineinandergreifen, werden schöne Fotos möglich.
Tipp: Beim Thema Experimentieren sollte man sich Zeit nehmen. Es geht es nicht darum, pro Minute 30 Bilder zu schießen, sondern in 5 Minuten ein gutes Foto.